An dieser Stelle ein paar Gedanken zum Lehrerdasein. Alternativ zu den vielen Ideen und Gedanken, was politisch, strukturell oder organisatorisch anders laufen sollte, steht hier der zentrale
Aspekt, die Lehrer - Schülerbezehung, im Zentrum. Man kann also, egal wie schlecht oder mangelhaft das "System" ja objektiv oft ist, schon mal bei sich anfangen.
Oder eben die nächsten 30 Jahre warten, bis sich ... wieder nichts tut.
Alles, was hier steht, spiegelt persönliche Erfahrungen wider. Auch wenn die Formulierungen mit „Du musst...“, „es ist ...“ unumstößliche Wahrheiten nahelegen, so sind die folgenden Ausführungen
doch nur als Anregung zu verstehen, über sie nachzudenken. Ebenso kann auf wenigen Seiten nur angerissen werden, was von Bedeutung ist und vieles muss unerwähnt bleiben.
Hinweis: Da ich mich selbst mit dem Doppelpunkt oder dem "Innen" im Wort nicht anfreunden kann (was vielleicht altersbedingt ist und wofür ich um Nachsicht bitte), ist es mir wichtig
festzustellen, dass mit „Schüler“ und „Lehrer“ selbstverständlich Lehrerinnen und Lehrer, Schülerinnen und Schüler gemeint sind.
Nach den Gedanken zu Lehrerinnen und lehrern nun noch ein Beitrag zum Thema "Führung" - die ja immer auch und schwerpunktmäßig Menschenführung ist.
Auszug aus einem Vortrag von 1992, gehalten an der Fernmeldeschule Stuttgart der
Deutschen Bundespost:
„Über die Grundsätze des Berufsbeamtentums“
Der Dienst und der Vorgesetzte
Ich möchte Sie nun noch an einen wichtigen Aspekt unserer Tätigkeit, die wir ja als „Dienst“ bezeichnen, erinnern:
Dienst bedeutet Arbeit an einer gemeinsamen Aufgabe zum Wohle der Allgemeinheit. Echter Dienst fordert dabei einen guten Anteil Idealismus und Selbstlosigkeit.
Ja, wir fordern dies von Ihnen, Ihren uneingeschränkten Einsatz. Schließlich haben Sie als einen der Grundsätze des Berufsbeamtentums gelernt, dass sich der Beamte "mit ganzer Hingabe" seinem
Dienst widmet. Dies mag eventuell in Ihren Ohren pathetisch klingen, weist aber klar auf die von Ihnen geforderte Haltung hin. Ihr Dienst bedeutet daher auch das Zurückstellen von Eigensinn und
Eigeninteressen und ebenso von Karriereambitionen. Wenn sie sich dann im Laufe Ihrer Dienstzeit doch, bestenfalls aufgrund nachhaltigem Einsatz, erfüllt, so ist sie als Auszeichnung zu
betrachten, kann aber niemals der Hauptgrund und zentrale Motivation des eigenen Handelns sein.
Seien Sie sich stets bewusst, dass Ämter nicht ohne Grund "verliehen" werden und somit keinen Besitzstand darstellen. Sie "bekleiden" das Amt nur auf Zeit!
Wie ist es nun mit dem Vorgesetzten im Allgemeinen und besonders der Amtsleitung bestellt?
Die Antwort lautet: Wer in einem Dienst eine Leitungsfunktion wahrnimmt, muss sich in hervorragender Weise den genannten Grundsätzen verpflichtet fühlen und sich an ihnen täglich messen
lassen.
Der Dienstvorgesetzte ist zu korrektem, gerechten und ebenso sachgerechten Handeln, ohne Ansehen der Person, angehalten. Er ordnet mehr als er anordnet. Er erfüllt und übererfüllt persönlich das,
was er von seinen Mitarbeitern verlangt und ist somit für sie stetes Vorbild.
Er fördert und fordert, leitet an, gibt Zuspruch. Er ist sich seiner Fürsorgepflicht bewusst, die ihm allerdings nicht Pflicht sondern inneres Anliegen ist. Er kritisiert nie ohne Sachgrund, und
ebenso nicht aus persönlichen Motiven. Er hat dabei stets das Ganze und somit das Gemeinwohl im Blick indem er den Ausgleich statt der Konfrontation sucht.
Er weiß zudem, dass er als Einzelperson nichts leisten kann. Der Respekt, auch gegenüber dem Mitarbeiter im einfachsten Dienst, ist Grundlage seiner inneren Haltung, seines Denkens und Handelns.
Er betrachtet vorgetragene Kritik, auch wenn sie ihn selbst betrifft, als Beweis des Vertrauens und als Anlass zur Reflexion des eigenen Wirkens. Er ist offen für Neues und sucht, wenn es die
Lage erfordert, auch unkonventionelle Lösungen. Er versteckt sich nicht hinter der vorgeblichen Unmöglichkeit eines Vorhabens.
Er ist verlässlich, steht zu seinen Entscheidungen, auch gegenüber dem nächsten Vorgesetzten oder vorgeordneten Behörden. Er tritt uneingeschränkt für seine Mitarbeiter ein. Er ist diskret und
weiß entgegengebrachtes Vertrauen als hohes Gut zu würdigen.
Er ist sich schließlich der Verantwortung als Repräsentant des Dienstes bewusst, den er leistet, dem er vorsteht und stets bestrebt, dessen Ansehen in der Öffentlichkeit zu erhalten und zu
steigern.
Meine Damen, meine Herren, wenn Sie dies beherzigen, werden Sie auf die meisten Dienstvorschriften im Wortlaut getrost verzichten können.
Sie haben diese damit bereits vollumfänglich erfüllt.
Nachsatz außerhalb des Themas: Die Deutsche Bundespost wurde 1995 aufgelöst, nur wenige Jahre nach der großen 500-Jahr-Feier der Post in Deutschland.
Im Technikmuseum St. Georgen gibt es ein Stockwerk, das alte Telekommunikationstechnik
zeigt, die dort teilweise sogar noch in Betrieb ist. Dort machte die Klasse E2AT 2025 einen Besuch und als Gastgeschenk konnten wir Hans-Dieter Schmidt, dem Sammler und Initiator des
Museums, eine originale Fahne überreichen, wie sie früher über Post- und Fernmeldeämter wehte.
